next event. événement prochaine. ближа́йший инциде́нт. LESUNG im KAFFEE ALTWIEN. 12. JUNI. 19h. Und: Leseprobe aus “Die Hinrichtung”

Mesdames, messieurs, l’écrivain Elmar est de retour.

Der Beginn von Die Hinrichtung: Al comence fue el verbo. Am Anfang war das Wort 😉

 

“Es war die Nacht vom ersten zum zweiten Wonnemond, als ich, ein semikonservativer junger Mensch und Mann mit partialanarchistischem, aber gut angezogenem Weltbild, anstatt der Einladung meiner ehemaligen vermeintlichen Liebe, mich aber in Wahrheit allerschmutzigst Hintergehenden, nach Serbien zu folgen, ins hiesige Lirtzz zog, wohin ich aus bestimmten Gründen, die im Nachfolgenden nicht nur benannt, sondern ausführlich entfaltet werden sollen, seitdem nicht mehr gegangen bin. On the way to the club, wie Damon Albarn bereits verlautbarte. Dieses Lirtzz, ein von genuin Konservativen und Rechten meist geächteter, von der liberalen Linken, den Sozialisten, Marxisten und Grünen umso heißer geliebter Ort, am stets verdreckten Karlsplatz gelegen, am Weg dorthin, von der Oper kommend, begegnet man so manchem einem Rauchwaren Feilbietenden, bevor man als permanenter Nichtraucher dankend ablehnend darangeht, die betonierten Wände zum Lokal entlangzugehen, links und rechts Graffiti, Botschaften einer vergessenen Jugend, der scharfe Gestank von ranziger Brunze in die Nase stechend und nur ein wenig übertüncht von Bierlachen, das herbsynthetische Neonlicht, allerlei bunte Gestalten der sich auf diese Weise titulierenden Szene. Einmal mehr trug ich, mich weder der Linken noch der Rechten zuordnend, mein weißes, an der baskischen, spanisch-französischen Grenze vor elf Jahren erstandenes T-Shirt, auf welchem auf weiß verwaschenem Hintergrund ein großer, in seiner Dimension äußerst bulliger Stierkopf prangte. Dieses Konterfei verlieh mir ob seiner enorme Männlichkeit suggerierenden, tatsächlichen oder vermeintlichen Wirkung auf vielen meiner Streifzügen das Quentchen Glück oder Selbstvertrauen oder beides, um als Nachtjäger, stets mehr haschend als wartend, stets eher am Abdruck als am anvisieren, zu bekommen, wonach ich trachtete. Diese Lokalität, die als Lirtzz so vielen bekannt ist, gleicht von außen einem Güterbahnhof am Hafen, von innen gleicht sie demselben genauso wie einer vor kurzem stillgelegten Stahlwerkshalle, junge Menschen mit allen erdenklichen und ebenso unerdenklichen Frisuren flanieren davor und darin in ihren lässig-widerspenstig-coole Posen, ein Ort, der trotz seines offentsichtlichen Abgefucktseins keinen Deut seiner Exklusivität eingebüßt zu haben scheint, nein, vielmehr ist man hier unter sich und fern all des Proletengeschwulsts vom Schwedenplatz, so pflegen wohl viele vor und in dem Lirtzz zu denken, daß sich hier das wahre Wien amüsiere, das ist wohl jedem davor und darin klar. Denn wozu sonst hätte man sich die Haare wohl schwarz und dunkelrot gefärbt und den elterlichen Dachboden auf zahllose Siebzigerjahre-T-Shirts hin durchforstet und darum erleichtert, wenn nicht zu dem Zwecke der unbedingten coolen Selbstdarstellung, als Devise gilt hier: je enger, desto hipper, man kann sich also mit anderen Worten in dem Lokal wähnen, das mit an Sicherheit grenzender Unwahrscheinlichkeit in der sich auf diese Weise titulierenden alternativen Szene unaufregend ist. Die Walpurgisnacht, am Eingang des Blütenmonats tehend, wenn die Mächte der Finsternis der siegreichen Kraft des sonnenwarmen Mutterschoßes weichen, war  kurz vorüber, allerlei Fledermäuse und nächtliche vogelgestaltige Dämonen, unruhige Seelen, alle möglichen Spukgestalten traten in den Nächten auf, und manch irdische Weiber ritten nachts mit diesem Schwarme. Die Wilde Jagd der Geister nahm auch den ersten Bezirk an der Grenze zum zweiten nicht aus, und das sich zum Sabbat zusammenrottende  menschenfresserische Nymphenheer verlangte nach Opfern. Nun, bewaffnet mit einem Bier und wie beinahe immer in der Hoffnung, die Liebe meines Lebens kennenzulernen, denn es war im Endeffekt der einzige Grund, weshalb ich mich halbmüde mit der letzten U-Bahn gen Lirtzz schleppte, um endlich meiner Traumfrau zu begegnen, ein äußerst realistisches Unterfangen in einem solchen Lokal in einer solchen Stadt, trotzdem ging ich dieses Wagnis ein, es war schlichtweg besser, als gleich schlafen zu gehen oder sich etwas im Fernsehen anzusehen, denn damals sah ich noch fern. Solcherart besonnen ging ich im Lirtzz umher, ein kühles Bier in meiner Rechten, die Linke lässig eingesteckt, mein Blick schweifte umher, meine Seele tanzte Britpop, die lauten Bässe durchdrangen Mark und Bein, eine Menschenansammlung, es war der erste Freitag im Monat, es herrschte Ivpiter, so nannte das Lirtzz diese Veranstaltung, ich zog aus dieser Menschenmasse meinen Nutzen und untersuchte sie auf ihre partnerschaftliche Brauchbarkeit hin, …”Bild

 

 

 

 

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s